Mesh by Fiorella Fasciati
Die Gestalterin Fiorella Fasciati gehört zu jenen kreativen Kräften, die selbst innerhalb der kleinen Designszene kaum je öffentlich in Erscheinung treten, deren Einfluss auf die Designentwicklung und die Produktwelt oft aber viel grösser ist, als der von manchen kurzlebigen Stars, die es natürlich auch in diesem Bereich gibt. Ihrem still-bescheidenen Auftreten steht freilich eine zähe Hartnäckigkeit in der Sache gegenüber, die gut zu ihrer Herkunft passt. Fasciati stammt aus dem Bergell, dem südlichsten, weit abgelegenen Winkel des Bündnerlandes. Genauer gesagt aus dem Dorf Stampa, das durch Alberto Giacometti und seine Familie weit über die Grenzen Graubündens und der Schweiz bekannt geworden ist.
Die Giacomettis waren die Nachbarn der Fasciatis und obwohl das natürlich nicht mehr als ein biografischer Zufall ist, mag das Beispiel der Giacomettis, die als Künstler, Grafikdesigner und Architekten von sich Reden machten, der jungen Fiorella
Fasciati schon früh gezeigt haben, dass es jenseits des Bergells eine Welt zu entdecken gibt und dass die Beschäftigung mit Gestaltung dort auch zum Beruf werden kann. Ihr eigener Weg begann aus ganz praktischen Gründen mit einer Ausbil-
dung zur Primarlehrerin in Chur. 1977 folgte der Umzug nach Basel, wo sie parallel zum Schuldienst Abendkurse an der Schule für Gestaltung belegte. Dort hat sie dann bald daraufauch die vierjährige Ausbildung zur Textildesignerin absolviert. Nach dem Diplom, in dessen Mittelpunkt bereits das Thema Teppich stand, engagierte sie Peter Ruckstuhl, der in dieser Zeit gerade die Leitung des Familienunternehmens übernahm, 1984 als erste In-House-Designerin der Firma. Fasciati beschäftigte sich mit der Farbgebung, entwickelte einfache Muster, setzte sich für die Produktion der ersten abgepassten Teppiche ein und gestaltete die Firmenauftritte. 1990 wechselte sie zum Schweizer Textilverlag Mira-X, wo sie sieben Jahre als Produktmanagerin arbeitete. Zu ihren Aufgabenbereichen gehörten dort auch die Betreuung grösserer Projekte und die
Zusammenstellung von Farbreihen. Seit 1997 ist die dreifache Mutter als selbstständige Designerin tätig. Mehr und mehr rückte die Beschäftigung mit der Farbe in den Mittelpunkt ihrer gestalterischen Arbeit. Ihr Ziel ist eine zeitgemässe
Farbgebung, die nicht blindlings den Trendinfos folgt, sondern eine eigene Handschrift erkennen lässt. Ein hoher Anspruch, der nur mit sehr feinen Antennen für das in ständigem Wandel begriffene Farbempfinden und mit einem klaren persönlichen
Standpunkt überzeugend eingelöst werden kann. Heute berät Fasciati verschiedene Textilhersteller in der Schweiz hinsichtlich Farbgebung und Kollektionsentwicklung. Auch mit Ruckstuhl ist sie seit 2005 wieder in professionellem Kontakt.
1998 übernahm sie erste Lehraufgaben an der Schule für Gestaltung in Basel. 2001 erhielt sie dort den Auftrag zum Aufbau und zur Leitung einer zweijährige Weiterbildungsklasse für Textildesign.
Für die Teppiche Area und Mesh, die im Rahmen der Edition Ruckstuhl entstanden, griff Fasciati ganz bewusst auf eine bei Ruckstuhl gebräuchliche Fertigungstechnologie zurück, deren gestalterisches Potential es auf neue Weise auszuloten galt. Die Entscheidung für das Hand-Tufting legte es nahe, die Struktur des Teppichs zum zentralen Entwurfsthema zu machen. Die durch ein Wechselspiel von Ein- und Ausgrenzung charakterisierten Dessins sind nicht allein visuell wahrnehmbar. Denn die Nutzung eines unterschiedlich langen Flors, der zum hauptsächlichen Träger des Musters wird, verleiht den Teppichen eine dreidimensionale Struktur und macht sie auch zu einem haptischen Bodenerlebnis.
Variante
Material
reine Schurwolle
Technologie
handgetuftet
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