Ruckstuhl Volume 01 - Trix & Robert Haussmann Collection
Vorstellungsvermögen
Ruckstuhl Volume 01 - Trix & Robert Haussmann Collection
Die Zeiten haben sich geändert. Heute heisst das: vektorisierte Daten für Robot-Tufting. Das tönt nicht nur kompliziert, es ist es auch. Denn auch wenn ein Teppich flach erscheint, so ist er doch ein dreidimensionales Objekt. Für die Teppiche aus der Trix & Robert Haussmann Collection gibt es zwar einen Entwurf auf Papier, eine zweidimensionale Zeichnung, wie der Farbverlauf sein muss, wo Schwarz, wo Weiss – doch das in einen Wollteppich umzusetzen, das ist ein komplexer Prozess. Und wird für einen Teppich wie Stripes, der einen Faltenwurf mit den entsprechenden Schatten darstellt, zur Herausforderung.
Doch hier muss wohl zuerst noch der Begriff Tufting erklärt werden. Das ist nun eine schöne Geschichte, weit älter noch als jene der Haussmanns: Zwar kannte man das übliche Verfahren – eine Nadel dringt von der Rückseite eines Trägermaterials ein und befördert das Garn (oder die Wolle) auf die Vorderseite, wo es dann entweder als Schlinge oder als geschnittener Flor stehen bleibt – wohl schon in grauer Vorzeit.
Eine junge Amerikanerin, Catherine Evans, wollte dann 1895 ihrer Mutter eine Tagesdecke schenken – und erarbeitete diese nach der schon fast vergessenen Tufting-Methode. Sie hatte so viel Erfolg mit ihren Decken, dass sie bald Mitarbeiterinnen einstellen konnte und das Tufting-Verfahren so beliebt wurde, dass ab 1920 erste Maschinen entstanden. Heute ist Tufting die weltweit häufigste Methode zur Herstellung von Teppichen.
Beim Robot-Tufting, wie es für die Haussmann Collection verwendet wird, kommt nun Joshua ins Spiel. Er muss am Computer die Vorgaben der Haussmann-Entwürfe so umsetzen, dass sie im Robot-Tufting auch verarbeitet werden können, also: dreidimensional.
Dafür schreibt er für jeden Teppich ein neues Programm, in dem er berücksichtigt, wie die einzelnen Fäden laufen – und welche optische Wirkung sie dabei entwickeln. Dabei hilft Joshua sein liebstes Hobby, das Fliegen von Drohnen, mit dem er schon früh sein visuelles Vorstellungsvermögen schulen konnte – und das er jetzt auf Teppiche wie Stripes, Dégradé und Atlantis anwenden kann. Es ist ein stetiger Lernprozess, trial and error, dann besser machen. Denn während es auf der Zeichnung der Haussmanns eigentlich egal ist, wo man anfängt und aufhört, geht das bei einem Teppich nicht. Es sind ganz viele Faktoren, unter anderem Kundenwünsche, auch noch zu berücksichtigen.
Aber Joshua hat das jetzt im Griff, er kann sich wieder mehr seinem Hobby widmen.