Ruckstuhl Teppichmanufkatur Robotloom erstellt einen individuell getufteten Wollteppich in Sonderform

PERSPEKTIVE

Wenn Fortschritt den Menschen entlastet

Robot-Tufting – Technologie im Dienst von Mensch und Handwerk
Seit 2009 fertigt Ruckstuhl einen Teil seiner Teppiche mit Robot-Tufting. Was damals technologisches Neuland war, ist heute ein präzise beherrschtes Verfahren, das körperlich belastende Arbeit reduziert und zugleich gestalterische Möglichkeiten eröffnet, die weit über eine reine Automatisierung des Tuftens hinausgehen.
Ruckstuhl Teppich aus Recyclingwolle STRIPES – Detailansicht
Tufting eines Teppichs STRIPES der Trix & Robert Haussmann Collection
Ruckstuhl Teppichmanufaktur in Langenthal – manufaktur roboter spulen lscape
Garnspulen auf dem Robot-Loom

Manufaktur bedeutet auch Weiterentwicklung

Beim klassischen Handtufting führt ein Mensch eine Tuftingpistole Linie für Linie über ein vertikal gespanntes Trägergewebe. Diese Arbeit ist eine sich während Stunden stetig wiederholende körperliche Belastung für Hände, Arme, Schultern und Rücken.

Eine Manufaktur bewahrt nicht nur, was sie beherrscht, sondern entwickelt Verfahren, Wissen und Werkzeuge weiter. Für Ruckstuhl bemisst sich handwerkliche Qualität an der Kenntnis des Materials, der Beherrschung des Herstellungsprozesses und an der Sorgfalt, mit der für jede Aufgabe die am besten geeignete Technik gewählt wird.

Beim klassischen Handtufting führt ein Mensch die Tuftingpistole Linie für Linie über ein vertikal gespanntes Trägergewebe. Die Arbeit bedeutet bei grossen Flächen zugleich eine über viele Stunden wiederkehrende Belastung für Hände, Arme, Schultern und Rücken. Ein unifarbener Teppich von drei auf vier Metern umfasst bereits zwölf Quadratmeter, über die dieselbe Bewegung Bahn für Bahn ausgeführt werden muss.

In Schweden, wo ergonomische Belastungen durch handgeführte Maschinen schon früh intensiv thematisiert wurden, entstand die Technologie des automatisierten Tuftings. Ruckstuhl entschied sich 2009, dieses damals noch vergleichsweise junge Verfahren in die Manufaktur in Langenthal zu integrieren. Steuerung, Präzision und digitale Datenverarbeitung standen zu jener Zeit noch weit entfernt von den heutigen Möglichkeiten, weshalb die Entscheidung nicht allein eine Investition in eine Maschine, sondern vor allem eine Investition in eigenes Know-how war.

„Der Roboter ersetzt nicht das textile Wissen. Er ermöglicht, dieses Wissen mit einer Präzision umzusetzen, die sich auch Jahre später reproduzieren lässt.“

Adrian Berchtold, CEO und Inhaber

Präzision entsteht nicht von selbst

Über die Jahre wurde das Zusammenspiel von Garn, Trägermaterial, Maschine und Gestaltung kontinuierlich verfeinert. Heute erreicht das Robot-Tufting eine textile Qualität, die hochwertigem Handtufting mindestens ebenbürtig ist und ihm dort Vorteile bietet, wo exakte Linienführung, gleichmässige Flächen und reproduzierbare Ergebnisse entscheidend sind.

Damit verliert die menschliche Arbeit keineswegs an Bedeutung, sie verschiebt sich vielmehr an jene Stellen des Prozesses, an denen Erfahrung tatsächlich unverzichtbar bleibt: bei der Auswahl und Beurteilung der Garne, bei Florhöhe und Dichte, bei der Abstimmung von Farben und Oberflächen sowie in der laufenden Qualitätskontrolle. Der Roboter übernimmt die sich wiederholende Bewegung, während die textile Kompetenz den Prozess bestimmt.

Gerade bei Serien oder bei Entwürfen, die über Jahre hinweg in unterschiedlichen Dimensionen wieder gefertigt werden, ist diese Präzision von besonderem Wert. Während ein handgetufteter Teppich naturgemäss die individuelle Handschrift der ausführenden Person trägt, ermöglicht Robot-Tufting, einen einmal definierten Entwurf mit hoher gestalterischer Konstanz erneut umzusetzen.

Ruckstuhl Recyclingwollteppich – Forschungsprojekt PHENX von HSLU TEXCIRCLE – RobotLoom-Entwurfsdatei
Datei eines Schrfitzugs geöffnet in der Robot-Loom Steuerung
„Manufaktur bedeutet für uns, technische Entwicklung so zu beherrschen, dass sie Mensch, Material und Gestaltung dient.“ Valentin Baumann, Leiter Finanzen, HR & Services und Inhaber
Ruckstuhl Recyclingwollteppich – Forschungsprojekt PHENX von HSLU TEXCIRCLE – Fertigung auf dem RobotLoom

Vom Entwurf zur textilen Information

Die eigentliche Stärke des Verfahrens beginnt bei Ruckstuhl lange vor dem Tuften. Die Produktionsdaten entstehen im eigenen Haus in Langenthal, wo Entwürfe nicht lediglich digitalisiert, sondern für das textile Produkt interpretiert und aufbereitet werden. Linien werden in Bewegungsbahnen übersetzt, Flächen mit spezifischen Parametern versehen, Übergänge definiert und unterschiedliche Florhöhen oder Dichten so angelegt, dass aus einer zweidimensionalen Zeichnung eine präzise textile Oberfläche entstehen kann.

Besonders deutlich wird dieser Prozess bei der COLLECTION TRIX & ROBERT HAUSSMANN by Ruckstuhl. Die grafische Klarheit und räumliche Wirkung dieser Entwürfe verlangen eine exakte Übertragung in Garn und Flor. Die dafür entwickelten Produktionszeichnungen und Datensätze bilden ein eigenes Wissen, das bei Ruckstuhl verbleibt und es ermöglicht, einen Entwurf auch Jahre später mit derselben gestalterischen Logik erneut herzustellen.

Damit liegt der Wert des Robot-Tuftings nicht allein in der Maschine, sondern ebenso in der Kompetenz, sie zu beherrschen. Die Technologie wird zum Werkzeug einer Manufaktur, deren Qualität aus dem Zusammenspiel von Materialkenntnis, Gestaltung, digitaler Präzision und handwerklicher Erfahrung entsteht.

Bei Ruckstuhl arbeiten jahrzehntealte Webstühle und digital gesteuerte Anlagen selbstverständlich nebeneinander. Nicht das Alter eines Werkzeugs entscheidet über seinen Wert, sondern die Aufgabe, die sich damit lösen lässt.

Robot-Tufting steht deshalb weder für die Ablösung des Handwerks noch für Automatisierung als Selbstzweck. Es steht für eine bewusste Entscheidung, repetitive körperliche Arbeit zu reduzieren, gleichzeitig die Präzision zu erhöhen und gestalterische Möglichkeiten zu erschliessen, die ohne die Verbindung von textilem Wissen und digitaler Technologie kaum denkbar wären.

Fortschritt zeigt sich für uns dort, wo Technologie den Menschen von dem entlastet, was eine Maschine besser übernehmen kann, und sein Wissen dort wirken lässt, wo es unersetzlich bleibt.