Ruckstuhl Volume 01 - Trix & Robert Haussmann Collection
Das Leben als Gesamtkunsterk
Trix Haussmann
Trix Haussmann






Ruckstuhl Volume 01 - Trix & Robert Haussmann Collection
Auftritt Trix Haussmann. Etwas zu spät, wie sich das gehört. Ganz dezent gekleidet, wie man das nicht erwartet. Eine Apple Watch a m Handgelenk, sonst kaum Schmuck. Vor allem aber: Der Blick hinter der Brille hellwach, ein charmantes, besser: ein wissendes Lächeln. Die 92-Jahrige kokettiert mit ihrem nicht mehr so ganz einwandfreien Gehör, doch sie hört alles, was sie hören will - über alles andere denkt man als Gesprächspartner vielleicht besser noch einmal nach. Trix Haussmann hat an genau diesem Tisch ihren drei Kindern sowie ihrem Gatten das Nachtessen serviert, sie hat da
bis spät in die Nacht mit Robert über Projekte diskutiert - und sie hat dort gesessen mit einigen der berühmtesten Künstler der letzten sieben Jahrzehnte. Und sie sind auch hier in der Wohnung, Giacometti, Luginbühl, Castelli, Bruhin, Jensen. Das Leben als Gesamtkunstwerk, das trifft bei Trix Haussmann auf jeden Fall zu.
Trix Haussmann«Wir waren nie anti, wir wollten immer nur vorwärts. Aber dafür muss man die Geschichte verstehen, die Entwicklungen sehen, nur so kann man neue Interpreationen schaffen»
Es hätte auch ein Interview werden können, wir hatten Fragen vorbereitet, vorab auch zugeschickt. Doch es wird ganz einfach ein wunderbares Zuhören, am besten kann Trix Haussmann erzählen. Es ist nicht ein Schwelgen in der Vergangenheit, ganz im Gegenteil, sie ist hellwach, kann die Arbeiten der «Allgemeine Entwurfsanstalt», gegründet 1967 und wohl eines der erfolgreichsten Schweizer Architektur- und Designbüros aller Zeiten, bestens in einen aktuellen Zusammenhang bringen.
Auf eine Frage nach ihrem berühmten kritischen Manierismus, ihrem Protest gegen die klassische Moderne, erzählt sie von Venedig, jenem Ort, der für sie und Robert immer eine grosse Inspiration gewesen sei: «Wir waren nie anti, wir wollten immer nur vorwärts. Aber dafür muss man die Geschichte verstehen, die Entwicklungen sehen, nur so kann man neue Interpreationen schaffen». Sie erzählt von ganz schwierigen Kunden, von den Behörden, «Beamte!», aber das sind bloss Anekdoten – das Grosseganze nicht aus den Augen zu verlieren, das sei immer ihre Aufgabe gewesen.
Und es zu füllen mit schönen, eleganten, witzigen, schrägen, aussergewöhnlichen Objekten, die auch nicht jeder sehen, erkennen muss. Wieder lächelt sie: «Spiegel», sagt sie dann. Und man versteht sie wieder ein bisschen besser.
«Ein Teppich muss sein, immer.» Trix Haussmann
Natürlich sprechen wir mit Trix Haussmann, der studierten Architektin, die auch grossflächige Stadtplanung betrieben hat, auch über Möbel, Lampen, Stoffe, Teppiche, mehr so das Schwerpunkt-Gebiet ihres verstorbenen Gatten. «Ein Teppich muss sein, immer», sagt sie, das habe sie
schon früh gelernt, bei ihrem ersten Lehrmeister, Rudolf Oligati. «Nur schon für die Akustik».
Die «Allgemeine Entwurfsanstalt» hat viel mit und für Hotels gearbeitet, auch für Banken, an Geschäftseinrichtungen: «Da ist ein Teppich auch heute noch unabdingbar, darüber braucht man gar nicht zu diskutieren». So seien auch die Entwürfe zu Stripes, Dégradé und vor allem Atlantis entstanden, jener Teppich-Collection, die Ruckstuhl aktuell neu auflegt: «Schon Ende der 60er
Jahre erarbeiteten wir für das Hotel Atlantis in Zürich ein Möblierungskonzept, konnten die Lobby und die Bar gestalten. 1986 durften wir den Eingangsbereich neu gestalten, dafür entwarfen wir auch neue Teppiche, welche die strenge Architektur des Hauses manifestierten - und gleichzeitig durchbrachen».
Stripes? «Ach, wie im Spiel in die Luft geworfen, ein zart fliessender, schwarz-weiss gestreifter Seidenschal wird zum Faltenwurf». Dégradé? «Da ging es Robert mehr so um sein farbtheoretische Denken, mit dem er die sinnliche Wirkung von Materialien und die Ausdruckskraft handwerklicher Techniken erkunden wollte».





