Sofa und Interieur in einem Designeratelier zur Ruckstuhl Haussmann Kollektion

Ruckstuhl Volume 01 - Trix & Robert Haussmann Collection

Das Leben als Gesamtkunsterk

Trix Haussmann ist eine Legende. Zusammen mit ihrem Mann Robert und ihrer «Allgemeine Entwurfsanstalt» hat sie die Schweizer Architektur- und Designszene während Jahrzehnten geprägt.
Selbstverständlich ist das gewollt. Wenn man die Zürcher Wohnung von Trix Haussmann betritt, wird man von Spiegeln empfangen. Es ist etwas verwirrend, nicht nur, dass man sich selber begrüsst (ein Scherz, der Robert Haussmann, verstorben 2021, sicher gefallen hätte), doch man muss gleich hinter der Tür abbiegen - und dort spiegeln sich die Spiegel in sich selbst. Dazu kommt ein sehr roter Teppich - es ist eine optische Reizüberflutung, die durch eine Unzahl von Kunstobjekten noch verstärkt wird; man weiss gar nicht, wohin man schauen soll, sieht alles doppelt oder gar vierfach.

Erst, wenn man sich an den grossen Tisch in einer der guten Stuben setzt, kommt das Auge vielleicht zu Ruhe. Oder auch nicht, denn es gibt überall etwas zu entdecken, an der Wand, am Boden, auf dem Tisch - nur das Genie beherrscht das Chaos, die kreative Unruh' treibt den Geist vor sich her. Es ist genau dieses Spiel, das Trix und Robert Haussmann immer geliebt haben, die Übertreibung trotzt dem Klischee, der kritische Manierismus macht uns diesen erst bewusst, ein Lächeln ist mehr wert als jede Marmorwand.
Kunstwerke und Spiegel in einem Designeratelier zur Ruckstuhl Haussmann Kollektion
Einblick in ein Designeratelier zur Ruckstuhl Haussmann Kollektion

Auftritt Trix Haussmann. Etwas zu spät, wie sich das gehört. Ganz dezent gekleidet, wie man das nicht erwartet. Eine Apple Watch a m Handgelenk, sonst kaum Schmuck. Vor allem aber: Der Blick hinter der Brille hellwach, ein charmantes, besser: ein wissendes Lächeln. Die 92-Jahrige kokettiert mit ihrem nicht mehr so ganz einwandfreien Gehör, doch sie hört alles, was sie hören will - über alles andere denkt man als Gesprächspartner vielleicht besser noch einmal nach. Trix Haussmann hat an genau diesem Tisch ihren drei Kindern sowie ihrem Gatten das Nachtessen serviert, sie hat da
bis spät in die Nacht mit Robert über Projekte diskutiert - und sie hat dort gesessen mit einigen der berühmtesten Künstler der letzten sieben Jahrzehnte. Und sie sind auch hier in der Wohnung, Giacometti, Luginbühl, Castelli, Bruhin, Jensen. Das Leben als Gesamtkunstwerk, das trifft bei Trix Haussmann auf jeden Fall zu.

«Wir waren nie anti, wir wollten immer nur vorwärts. Aber dafür muss man die Geschichte verstehen, die Entwicklungen sehen, nur so kann man neue Interpreationen schaffen»

Trix Haussmann

Es hätte auch ein Interview werden können, wir hatten Fragen vorbereitet, vorab auch zugeschickt. Doch es wird ganz einfach ein wunderbares Zuhören, am besten kann Trix Haussmann erzählen. Es ist nicht ein Schwelgen in der Vergangenheit, ganz im Gegenteil, sie ist hellwach, kann die Arbeiten der «Allgemeine Entwurfsanstalt», gegründet 1967 und wohl eines der erfolgreichsten Schweizer Architektur- und Designbüros aller Zeiten, bestens in einen aktuellen Zusammenhang bringen.

Auf eine Frage nach ihrem berühmten kritischen Manierismus, ihrem Protest gegen die klassische Moderne, erzählt sie von Venedig, jenem Ort, der für sie und Robert immer eine grosse Inspiration gewesen sei: «Wir waren nie anti, wir wollten immer nur vorwärts. Aber dafür muss man die Geschichte verstehen, die Entwicklungen sehen, nur so kann man neue Interpreationen schaffen». Sie erzählt von ganz schwierigen Kunden, von den Behörden, «Beamte!», aber das sind bloss Anekdoten – das Grosseganze nicht aus den Augen zu verlieren, das sei immer ihre Aufgabe gewesen.

Und es zu füllen mit schönen, eleganten, witzigen, schrägen, aussergewöhnlichen Objekten, die auch nicht jeder sehen, erkennen muss. Wieder lächelt sie: «Spiegel», sagt sie dann. Und man versteht sie wieder ein bisschen besser.

Gesprächsszene in einem Designeratelier zur Ruckstuhl Haussmann Kollektion
«Ein Teppich muss sein, immer.» Trix Haussmann
Produktansicht des runden Ruckstuhl STRIPES Designteppichs, Ø 240 cm

Natürlich sprechen wir mit Trix Haussmann, der studierten Architektin, die auch grossflächige Stadtplanung betrieben hat, auch über Möbel, Lampen, Stoffe, Teppiche, mehr so das Schwerpunkt-Gebiet ihres verstorbenen Gatten. «Ein Teppich muss sein, immer», sagt sie, das habe sie
schon früh gelernt, bei ihrem ersten Lehrmeister, Rudolf Oligati. «Nur schon für die Akustik».

Die «Allgemeine Entwurfsanstalt» hat viel mit und für Hotels gearbeitet, auch für Banken, an Geschäftseinrichtungen: «Da ist ein Teppich auch heute noch unabdingbar, darüber braucht man gar nicht zu diskutieren». So seien auch die Entwürfe zu Stripes, Dégradé und vor allem Atlantis entstanden, jener Teppich-Collection, die Ruckstuhl aktuell neu auflegt: «Schon Ende der 60er
Jahre erarbeiteten wir für das Hotel Atlantis in Zürich ein Möblierungskonzept, konnten die Lobby und die Bar gestalten. 1986 durften wir den Eingangsbereich neu gestalten, dafür entwarfen wir auch neue Teppiche, welche die strenge Architektur des Hauses manifestierten - und gleichzeitig durchbrachen».

Stripes? «Ach, wie im Spiel in die Luft geworfen, ein zart fliessender, schwarz-weiss gestreifter Seidenschal wird zum Faltenwurf». Dégradé? «Da ging es Robert mehr so um sein farbtheoretische Denken, mit dem er die sinnliche Wirkung von Materialien und die Ausdruckskraft handwerklicher Techniken erkunden wollte».