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Venezia by Ursula Spicher-Waldburger

2010 · Edition von 1

Die Stickerei ist zwar eine uralte und traditionsreiche textile Technik, ihre Bedeutung innerhalb der Textilwirtschaft und damit auch innerhalb des Textildesigns aber hat seit Anfang des 20. Jahrhunderts stark abgenommen. Eine Entwicklung, die sich etwa im Niedergang der einst weltberühmten St. Galler Stickerei-Industrie auf eindrückliche Weise wieder spiegelt. Heute besitzt die Stickerei praktisch nurmehr in den Bereichen der gehobenen Lingerie und der Haute Couture eine gewisse Relevanz. Abgesehen davon haftet ihr das wenig schmeichelhafte Image des Altmodisch-Grossmütterlichen und der hobbymässig betriebenen häuslichen Handarbeit an. Zu Unrecht findet die Designerin Ursula Spicher-Waldburger. Auf eine neuartige Weise angewandt sei die Stickerei durchaus eine zeitgemässe textile Technik mit grossem Potential. Ihre eigene gestalterische Arbeit, die sie mit bemerkenswerter Leidenschaftlichkeit vorantreibt, liefert dafür den Beweis.

Bevor Ursula Spicher-Waldburger die Stickerei als ihr Thema entdeckte, brauchte es – biografisch gesprochen – eine Zeit der Reife. Auf ein mehrsemestriges Architekturstudium an der EPF in Lausanne folgte zunächst für rund zehn Jahre ein Rückzug ins Private und die Beschäftigung mit freier Kunst. Mit Öltempera gemalte Farb-Raum-Bilder, die ohne Auftrag und ohne professionelle Hintergedanken entstanden, fanden Anklang und hätten wohl eine künstlerische Karriere ermöglicht. Doch 1997 fiel der Entschluss zum Besuch des gestalterischen Vorkurses an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich. Dort absolvierte Spicher-Waldburger anschliessend auch die vierjährige Ausbildung zur Textildesignerin. Schon bald rückte die Stickerei in den Fokus ihres Interesses – als Nische und als ein Feld, auf dem festgefahrene Traditionen nachgerade dazu heraus forderten, einmal etwas Neues zu wagen.

Natürlich hat auch im Bereich der maschinell betriebenen Stickerei heute längst der Computer Einzug gehalten. Diese Technologie ist die unumgängliche Basis für jede neue Designlösung. Spicher-Waldburgers Anliegen und Anspruch war es von Anfang an, die Grenzen der computergesteuerten Stickmaschine bzw. deren Software gestalterisch auszuloten und dabei den Rahmen des Üblichen zu sprengen. Um die Bilder, die ihr vorschwebten in Stickerei zu übersetzen, bediente sie sich konsequent des digitalen Vokabulars. Entsprechend liegt das Pixel, Grundbaustein jedes digitalen
Bildes, auch ihren meist raumgreifenden Kreationen zugrunde. Bei ihrer Recherche nach einer neuen Stickerei-Bildsprache fand Spicher-Waldburger bereits während der Arbeit an ihrem Diplom Unterstützung durch die Bischoff Textil AG in St. Gallen. Das renommierte Stickerei-Unternehmen stellte der angehenden Designerin für ihr Vorhaben Know-how und Technik zur Verfügung. Das Ergebnis dieser gestalterischen Forschungsarbeit bildete bald darauf die Grundlage für das ebenfalls in Kooperation mit Bischoff realisierte Projekt «Pixelstick», das beim Design Preis Schweiz 2003 mit einer Nomination ausgezeichnet wurde und Spicher-Waldburgers Stickerei erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte. Von diesem Erfolg ermutigt, gründete die Designerin 2004 in Luzern ihr Geschäft «Pieks! – Stoffladen und Atelier für textile Gestaltung». Hier vertreibt sie eigene Stickerei-Produkte und das, was sie selbst «textile Delikatessen» nennt.

 

Variante

Material

reine Schurwolle, PA, Stickfaden

Technologie

gewoben, bestickt


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